Rot war die vorherrschende Straße in der Mittagszeit und am frühen Nachmittag vor der Kreckwitzer Straße in Bautzen. Rote IG Metall-Fahnen wehten, manche Kolleginnen und Kollegen trugen rote Kappen und nahezu alle hatten sich rotes IG Metall-T-Shirt übergezogen. Darauf stand zu lesen, was den Hedin-Beschäftigten wichtig ist: „Wir machen Tarif!“ Den wollen sie sich zusammen mit der IG Metall erkämpfen. Schon vor einem Jahr hatten sie dafür an den Standorten zunächst einzeln ihre Arbeit niedergelegt und sich dann auch noch in Bautzen zu einem weiteren gemeinsamen Warnstreik getroffen.
Daraufhin hatte ihr Arbeitgeber die Einigungsstelle eingeschaltet. Während des Verfahrens ruhten die Warnstreiks, aber es rumorte weiter in den Betrieben. Zurecht, wie sich zeigte. Denn das in der Einigungsstelle erzielte Ergebnis war nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein – und weit weg von dem, was Beschäftigte in tarifgebundenen Betrieben des Kfz-Handwerks verdienen.
„Unsere Kolleginnen und Kollegen wollen keine geringfügigen Almosen, sondern das, was ihnen für ihre gute Arbeit zusteht“, sagt Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. „Gute Arbeitsbedingungen und faires Geld gibt es nur mit einer rechtssicheren Regelung durch einen Tarifvertrag.“
Diesen verweigert der Arbeitgeber seinen Beschäftigten jedoch nach wie vor. Selbst Gespräche mit der IG Metall lehnt er weiter ab. „Diese Blockadehaltung nehmen unsere Kolleginnen und Kollegen nicht länger hin“, sagt Axel Drescher, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ostsachsen. Also gehen die Warnstreiks nach einem Jahr (Zwangs-)Pause weiter. So lange, bis die Botschaft angekommen ist. „Wir lassen nicht locker, bis das Ziel der Tarifbindung erreicht ist“, sagt Axel Drescher.
Die Stimmung beim insgesamt sechsstündigen Warnstreik am Freitag war gut, die Beschäftigten sind entschlossen, auch weiter für ihre Forderungen nach fairen Entgelten zu kämpfen. „Wir lassen uns nicht abspeisen“, war die einhellige Meinung beim Warnstreik vor dem Werktor, während sie sich die von der IG Metall Ostsachsen zur Verfügung gestellten Würstchen schmecken ließen.
Hintergrund: Anders als für die Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben im nordostdeutschen Kfz-Gewerbe, für die ein Tarifvertrag mit steigenden Löhnen gilt, sind die Beschäftigten an den acht Hedin-Standorten in Ostsachsen bei Entgeltforderungen einzig und allein auf den guten Willen ihres Arbeitgebers angewiesen. Dass der nicht bereit ist, ihre gute Arbeit auch gut zu bezahlen, hat das Einigungsstellenverfahren deutlich gezeigt.