In Bautzen legten rund 200 Kolleginnen und Kollegen am Vormittag für zwei Stunden die Arbeit nieder. Neben den Beschäftigten von Alstom machten erstmals seit vielen Jahren auch die Kolleginnen und Kollegen von Vodafone wieder mit einem Warnstreik Druck. Die Beschäftigten beider Betriebe trafen sich vor dem Werktor von Alstom, um den Arbeitgebern in der laufenden Tarifrunde gemeinsam die rote Karte für deren Verhalten zu zeigen. Dort berichtete Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter in Berlin-Brandenburg-Sachsen, den Warnstreikenden über die bisherigen Verhandlungsrunden mit dem Arbeitgeberverband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME). „Auf unsere mehr als moderate Forderung haben wir von den Arbeitgebern ein knallhartes Minusangebot als Antwort bekommen. Gleichzeitig führen sie eine absurde Diskussion darüber, dass die Beschäftigten zu krank, nicht leistungsbereit und für die wirtschaftlichen Probleme verantwortlich seien“, sagte Jan Otto. „dabei schaffen die Kolleginnen und Kollegen jeden Tag den Wohlstand unserer Gesellschaft. Und sie halten mit ihrem Konsum die Wirtschaft am Laufen. Unsere Forderung nach fünf Prozent mehr Entgelt ist angesichts der drastischen Preissteigerungen zum Beispiel für Lebensmittel, Benzin und Mieten nur angemessen und fair.“
Dafür erntete der Bezirksleiter große Zustimmung. „Einen derart ignoranten Umgang mit uns, wie die Arbeitgeber ihn am Verhandlungstisch in zwei Runden offenbart haben, nehmen wir nicht hin“, so der Tenor unter den Beschäftigten, die geschlossen hinter den Forderungen der IG Metall im Tarifkonflikt stehen. Dazu stellten die Kolleginnen und Kollegen von Alstom klar, dass sie nicht nur für die aktuelle Tarifforderung von fünf Prozent mehr Geld vors Tor gekommen sind, sondern auch um für eine gesicherte Zukunfsperspektive ihres Standorts in Bautzen ein deutliches Zeichen zu setzen. Jan Otto betonte, dass die IG Metall in dieser Tarifrunde auch darauf drängt, mit den Arbeitgebern über Standortsicherung zu sprechen. „Der Alstom-Standort ist gut aufgestellt. Hier gibt es eine motivierte und hoch qualifizierte Belegschaft, die viel Erfahrung im Waggonbau besitzt“, so Jan Otto, „jetzt ist Alstom gefragt, den Standort in die Zukunft zu führen.“
Warnstreik bei EHS
Viel Bewegung gab es in der Mittagszeit auch bei Endress+Hauser Sick (EHS) in Ottendorf-Okrilla. Bewegung vorm Werktor. Mit roten IG Metall-Fahnen und Trillerpfeifen zogen rund 60 Kolleginnen und Kollegen lautstark und weithin sichtbar vors Tor, um ein starkes Zeichen für ihre Forderungen zu setzen. Ihre Botschaft an die Arbeitgeber: „Wir erwarten in der nächsten Verhandlungsrunde ein echtes Angebot, keine weitere Provokation und keinen weiteren Angriff auf die Beschäftigten.“ Als den nämlich verstehen die Kolleginnen und Kollegen das, was bisher am Verhandlungstisch passierte. „Eine Null- oder gar Minusrunde, die dem VSME vorschwebt, ist mit der IG Metall nicht zu machen“, betonte Anna-Lena Brand, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Ostsachsen auch noch einmal bei der Warnstreikkundgebung in Ottendorf-Okrilla. Die Beschäftigten ließen keinen Zweifel daran, dass sie weiter vors Tor ziehen und warnstreiken, sollten die Arbeitgeber nicht einlenken.
„Das ist ein absolutes No-go“
Die Arbeitgeber waren am 14. Oktober in Chemnitz ohne eigene Vorschläge und ohne Angebot in die erste Verhandlung gekommen. In der zweiten Verhandlungsrunde am 27. Oktober schlugen sie vor, 2027 eine kleine Einmalzahlung zu leisten, sonst aber – trotz hoher Inflation – auf Entgeltsteigerungen zu verzichten. Für 2028 boten sie dann gerade mal 1,3 Prozent an. „Das ist ein absolutes No-go, das mit der IG Metall nicht zu machen ist“, sagt Uwe Garbe, „das hat mit Wertschätzung der Kolleginnen und Kollegen nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, sondern bürdet die Lasten der Krise einzig den Beschäftigten auf.“ Die Friedenspflicht ist in der Nacht zum 1. November ausgelaufen. Seither stellen sich die Kolleginnen und Kollegen mit Arbeitsniederlegungen und großer Entschlossenheit hinter die Forderungen der IG Metall.
Das fordert die IG Metall
Die Gewerkschaft fordert für die rund 155.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen fünf Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Zudem will sie mit dem VSME über die Absicherung von Standorten und Arbeitsplätzen, über eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte und Auszubildende sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung unterer Entgeltgruppen sprechen.