Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2026 So nicht! Starke Warnstreikpremieren bei Accumotive und Acosa

„Eine Null- oder gar eine Minusrunde ist mit uns nicht zu machen!“ Mit starken Warnstreiks haben am 3. November die Beschäftigten von Accumotive in Kamenz und Acosa in Kodersdorf deutlich gezeigt, dass sie das Arbeitgeberverhalten in der laufenden Tarifrunde am Verhandlungstisch nicht tolerieren.

WS Acosa Kodersdorf

3. November 2026 3. November 2026 kk


 

Angesichts der hohen Preise, die die Kolleginnen und Kollegen derzeit an Tankstellen, Supermarktkassen oder bei der Heizkostenabrechnung zahlen, mutet das „mickrige Angebötchen“, das der Arbeitgeberverband der Sächsischen Metall- und Elektroindustrie (VSME) in der Vorwoche bei der zweiten Verhandlung auf den Tisch gelegt hatten, wie ein „schlechter Scherz“ an. „Das, was sie bislang auf den Tisch gelegt haben, läuft auf ein krasses Reallohnminus hinaus“, sagt Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. „Darauf kann es nur eine Antwort geben: Arbeitskampf.“

Erster Warnstreik bei Accumotive in Kamenz
Das sahen auch die Kolleginnen und Kollegen von Accumotive in Kamenz bei ihrer Warnstreikpremiere so. Während des zweistündigen Warnstreiks in der Mittagszeit demonstrierten rund 80 Beschäftigte den Arbeitgebern, wie Bewegung geht. Vor dem Werktor des Batterieproduzenten war mächtig was los, dahinter nicht. Die Botschaft, die die Kolleginnen und Kollegen aus Kamenz sendeten, war unmissverständlich. „Bei der nächsten Verhandlung muss vom VSME deutlich mehr kommen, sonst war dies nicht der letzte Warnstreik“, fasst Axel Drescher, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ostsachsen die Stimmung der Kolleginnen und Kollegen zusammen.

Warnstreikpremiere auch bei Acosa in Kodersdorf
Auch rund 70 Beschäftigte von Acosa in Kodersdorf, die für die Luftfahrtindustrie produzieren, verschafften ihrem Unmut über die Haltung der Arbeitgeber in der Tarifrunde Luft, ebenfalls mit einer Warnstreikpremiere. Sie traten ebenfalls in der Mittagszeit in den Warnstreik, um ein Zeichen ihrer Entschlossenheit zu setzen. „So lassen die Kolleginnen und Kollegen nicht mit sich umgehen“, sagt Anna-Lena Brand, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Ostsachsen. „Sie empfinden das Verhalten der Arbeitgeber als Affront und als Schlag in die Magengrube.“ Sollten die zu keiner Bewegung willens sein, „legen wir nach“, so die Message aus Kodersdorf.  

In der zweiten Verhandlungsrunde am 27. Oktober hatten die Arbeitgeber vorgeschlagen, 2027 eine kleine Einmalzahlung zu leisten, sonst aber – trotz hoher Inflation auf Entgeltsteigerungen zu verzichten und dann für 2028 gerade mal 1,3 Prozent angeboten. „Das ist ein absolutes No-go, das mit der IG Metall nicht zu machen ist“, sagt Uwe Garbe, „das mit Wertschätzung der Kolleginnen und Kollegen nichts, aber auch gar nichts zu tun hat, sondern die Lasten der Krise einzig auf dem Rücken der Beschäftigten ablädt.“ Die Friedenspflicht ist in der Nacht zum 1. November ausgelaufen. Seither stellen sich die Kolleginnen und Kollegen mit Arbeitsniederlegungen und großer Entschlossenheit hinter die Forderungen der IG Metall.

Die Gewerkschaft fordert für die rund 155.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Sachsen fünf Prozent mehr Geld für zwölf Monate. Zudem will sie mit dem VSME über die Absicherung von Standorten und Arbeitsplätzen, über eine tarifliche Gewinnbeteiligung für Beschäftigte und Auszubildende sowie eine soziale Komponente zur Besserstellung unterer Entgeltgruppen sprechen.