Tarif Vollgas für den Tarifvertrag! Warnstreik bei Hedin in Bautzen

Zwei Stunden Stillstand bewegte sich in der Werkstatt von Hedin Automotive in Bautzen am 9. Oktober nichts mehr. Aus gutem Grund: Alle Werkstatt-Beschäftigten haben ihre Arbeit niedergelegt, um mit einem weiteren Warnstreik Druck für einen Tarifvertrag zu machen.

Warnstreik bei Hedin in Bautzen

12. Oktober 2026 12. Oktober 2026 kk


Den verweigert die Geschäftsführung den Belegschaften in den acht ostsächsischen Autohäusern weiterhin hartnäckig. Dass sie über diese Verweigerungshaltung stinksauer sind, machten die Kollegen aus Bautzen beim Warnstreik deutlich. Geschlossen legten sie für zwei Stunden ihre Arbeit nieder und trugen ihren Protest vors Tor. „Wir bleiben hart und kämpfen weiter für unser gutes Recht“, so der einhellige Tenor beim Warnstreik am Freitagmorgen.

„Unsere Kolleginnen und Kollegen verlangen keine Geschenke, sondern lediglich gute und faire Arbeitsbedingungen, die es rechtssicher nur mit Tarifvertrag gibt“, sagt Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. „Diese Ignoranz ist ein Schlag ins Gesicht der Beschäftigten, die tagtäglich zuverlässig gute Arbeit in den Autohäusern und Werkstätten leisten.

Die Hedin-Belegschaften an den acht Standorten in Ostsachsen nehmen es nicht länger hin, von ihrer Geschäftsführung als Beschäftigte zweiter Klasse behandelt zu werden. An sämtlichen Standorten des Unternehmens in Westdeutschland arbeiten alle Kolleginnen und Kollegen unter Tarifbedingungen. Die fordern auch die 240 Beschäftigten in Ostsachsen ein. Zu Beginn des Jahres 2025 hatten sie sich an die IG Metall gewandt und sich zu großen Teilen in der Gewerkschaft organisiert, um einen Tarifvertrag durchzusetzen. Denn anders als die Beschäftigten in tarifgebundenen Betrieben im nordostdeutschen Kfz-Gewerbe und an allen Hedin-Standorten im Westen der Republik sind sie bei Entgeltforderungen einzig und allein auf den guten Willen ihres Arbeitgebers angewiesen. 

Damit ist es nicht weit her. Auch mehr als 36 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Beschäftigten in Ostdeutschland den Kolleginnen und Kollegen in Westdeutschland nach wie vor nicht gleichgestellt.

„Das ist auch politisch kein gutes Zeichen“, sagt Axel Drescher, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Ostsachsen. „Wir geben Vollgas, bis wir das Ziel Tarifbindung erreicht haben, und erhöhen mit diesem Warnstreik den Druck auf den Arbeitgeber noch einmal.“ 

Die beharrliche Verweigerungstaktik, mit der IG Metall über einen Tarifvertrag zu verhandeln, kann Uwe Garbe auch deshalb nicht nachvollziehen, weil auch Arbeitgeber „letztlich von einem Tarifvertrag profitieren. „Denn tarifgebundene Betriebe finden nachweislich selbst in Zeiten, in denen gut ausgebildete Beschäftigte rar sind, leichter Fachkräfte.“