Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie 2026 Gut aufgestellt in die Tarifrunde

Die Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie steht in den Startlöchern. Mit einem Tarifseminar haben sich die Kolleginnen und Kollegen aus neun Betrieben der Region Ostsachsen am 28. September auf die Tarifbewegung im Herbst eingestimmt und erste Aktionen geplant.

Tarifseminar

30. September 2026 30. September 2026 kk


Die Forderung für die nächste Tarifrunde steht seit dem 22. September fest: Die IG Metall fordert für die Metall- und Elektroindustrie in Berlin-Brandenburg und Sachsen für Prozent mehr Geld für Beschäftigte und Auszubildende bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Dazu will die IG Metall mit den Arbeitgebern über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten, eine tarifliche Gewinnbeteiligung und eine soziale Komponente für die unteren Entgeltgruppen gehen (mehr Infos zur Forderung).

Im Tarifseminar der IG Metall Ostsachsen, an dem Kolleginnen und Kollegen aus allen tarifgebundenen Betrieben und den Betrieben, die den Flächentarifvertrag übernehmen, positionierten sich die Teilnehmenden zu den Forderungen und blickten außerdem auf die Ergebnisse der Umfrage, die die IG Metall im Vorfeld des Forderungsbeschlusses in den Betrieben durchgeführt hatten. Darin hatten sich im IG Metall-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen rund 14.000 Beschäftigte beteiligt und klar gemacht, mit welchen Erwartungen sie in die Tarifrunde gehen: Sie erwarten, so die klare Botschaft, einen Ausgleich für die gestiegenen Lebenshaltungskosten, die sie Tag für Tag an der Supermarktkasse und an der Tankstelle zu spüren bekommen. Außerdem erwarten sie verlässliche Beschäftigungsbedingungen (weitere Infos zu den Ergebnissen der Umfrage).

Wie wichtig den Aktiven in den Betrieben die Tarifrunde ist, zeigte sich auch dadurch, dass alle neun Betriebe in der Region beim Seminar vertreten waren. Metallerinnen und Metaller von Alstom, Accumotive, Walterscheid, EHS, Siemens Energy, KNDS, Linde + Wiemann sowie von cosa und Vodafone nahmen am Tarifseminar der IG Metall Ostsachsen teil.

Die Kolleginnen und Kollegen aus den Betrieben in der Region Ostsachsen gehen davon aus, dass die Tarifrunde im Herbst kein Spaziergang wird. Umso wichtiger ist für sie eine starke IG Metall, die auf die Rückendeckung aus den Betrieben zählen kann. „Ohne Druck wird es vermutlich wenig Bewegung am Verhandlungstisch geben“, so die einhellige Meinung der Seminarteilnehmenden. Deshalb sind sie im Seminar, das im Waldblick Pulsnitz stattfand, auch in die Planung der Tarifbewegung eingestiegen, haben erste Aktionen geplant und Absprachen über Betriebsgrenzen hinaus getroffen.

„Leicht wird die Tarifrunde sicher nicht“, sagt auch Uwe Garbe, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ostsachsen. „Aber die Bereitschaft, sich an der Tarifrunde aktiv zu beteiligen, ist groß. Insofern sind wir in der Region Ostsachsen gut aufgestellt für einen heißen Herbst in der Tarifauseinandersetzung.“

Schluss mit den Mythen: Warum gute Löhne die Lösung und nicht Teil des Problems sind
Dass die Forderung nach fünf Prozent mehr Geld auch in wirtschaftlich nicht einfachen Zeiten berechtigt ist, belegt ein Blick auf die Produktivität in Deutschland. Arbeitgeber lehnen Entgeltsteigerungen gerne mit dem Argument ab, dass das Wirtschaftswachstum in Deutschland hinterher hinkt und verweisen dabei auf den Wert des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Zwar steigt das deutsche BIP derzeit weniger stark an als zu früheren Zeiten, aber das sagt wenig über die Produktivität der Kolleginnen und Kollegen in Deutschland aus. 

Im internationalen Vergleich liegen zum Beispiel Deutschland und die USA gleichauf und erwirtschaften in etwa den gleichen Wohlstand. Und im Vergleich mit Frankreich oder Italien ist die Produktivität in den Betrieben hierzulande sogar höher. Nicht die sogenannten Lohnkosten, die entsprechend der Produktivität gestiegen sind, sind das Problem, was selbst das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft bestätigt, sondern Kostentreiber sind in Deutschland vor allem Energie, Material und eine überbordende Bürokratie. 

„Wer Aufschwung will, braucht Kaufkraft“, sagt Uwe Garbe. „Verzicht ist nicht zielführend. Um die Binnenkonjunktur wieder flott zu machen, brauchen die Kolleginnen und Kollegen in unseren Betrieben eine spürbare Entgelterhöhung, die nicht nur die steigenden Lebenshaltungs-, Wohn- und Gesundheitskosten ausgleicht. Höchste Zeit also, mit den Mythen aufzuräumen, dass die angeblich hohen Lohnkosten für die Misere der Wirtschaft verantwortlich sind und die Unternehmen zur vermehrten Abwanderung zum Beispiel nach Osteuropa zwingen.“ In Osteuropa sind die Löhne zwar geringer, aber eben auch die Produktivität der Beschäftigten. „Standortverlagerungen sind daher kurzfristig gedacht“, sagt Uwe Garbe, „noch dazu, weil davon auszugehen ist, dass auch dort die Löhne aufholen werden.“